Tuning-Treffpunkt: Bad Arolsener Autoposer bekommen eigenen Drift-Platz

Die Motoren heulen, die Reifen quietschen, die Nachbarn verdrehen die Augen: So ungefähr muss es abends im nordhessischen Bad Arolsen ablaufen, wenn sich junge Menschen mit getunten Autos in der Stadt treffen. Doch statt eines Verbots hat sich die Stadt für eine andere Strategie entschieden.

"Junge Menschen, die mit Fahrzeugen Unsinn anstellen"

Die Kommune stellt einen Verkehrsübungsplatz kostenfrei und zeitlich begrenzt für sogenannte Driftübungen zur Verfügung. Bei Drifts rutschen Fahrzeuge mit Ausbrechen des Hecks durch Kurven. "Das ist ein Experiment, das auch scheitern kann", sagte Bürgermeister Jürgen van der Horst über das Angebot, das die Kommune seit einem Monat ausprobiert. Vorangegangene Kontrollen und Bußgelder hätten nicht gewirkt.

"Wir haben wie viele Städte das Phänomen, dass sich in den Nachtstunden an großen innerstädtischen Plätzen junge Menschen treffen und mit Fahrzeugen Unsinn anstellen", erklärte er. Dabei komme es zu Drift- und Beschleunigungsübungen, die sehr gefährlich seien und Anwohner störten. Die Stadt fahre dagegen eine Doppelstrategie: Neben verstärkten Kontrollen soll das Angebot auf dem Verkehrsübungsplatz für Ruhe sorgen.

Polizei: Fahr- und Sicherheitstraining statt Auto-Show

Die Polizei will sich aus dem Projekt raushalten, wie der Leiter der Polizeistation Bad Arolsen, Achim Jesinghausen, gegenüber der Waldeckischen Landeszeitung betont. Dort sehe man das Driften sehr kritisch und wolle keine organisatorischen Aufgaben am Übungsplatz übernehmen. "Autoposer fallen durch Lärmbelästigungen auf und sorgen in der Bevölkerung für Unmut", so Jesinghausen weiter. Er empfiehlt ein professionelles Fahr- und Sicherheitstraining statt einer Auto-Show.

Experiment seit einem Monat

Einmal pro Woche dürfen die Drifter einzeln von 18.00 Uhr an bis zum Sonnenuntergang dort fahren. Durch diese enge Beschränkung verhindere man, dass das Angebot überregional Autoposer anziehe. Seit einem Monat laufe das Experiment. Ein erstes Fazit sei, dass das Organisatorische bisher gut laufe. "Absprachen werden eingehalten", sagte van der Horst. Komplett gelöst sei das Problem in Bad Arolsen dadurch aber wohl noch nicht.

Quelle: dpa

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