Trauer um Finanzminister: Landespolitik steht unter Schock

Am 28.03.2020 veröffentlicht

Nach dem plötzlichen Tod von Finanzminister Thomas Schäfer muss sich die hessische Landesregierung nun inmitten der Corona-Krise neu aufstellen. Primär geht es um die Nachfolge im derzeitigen Schlüsselressort. Eine für heute geplante Video-Pressekonferenz mit Bouffier zu einer Freiwilligen-Plattform wurde kurzfristig verschoben.

Der 54-jährige Finanzminister war am Samstag tot an einer Bahnstrecke nahe Hofheim aufgefunden worden. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler deutet alles daraufhin, dass sich der Minister das Leben genommen hat. "Aufgrund der Gesamtumstände ist von einem Freitod von Herrn Dr. Schäfer auszugehen", heißt es in der Mitteilung weiter. Nach Recherchen der FAZ habe er einen Abschiedsbrief hinterlassen. 

Volker Bouffier: "Corona-Sorgen haben ihn erdrückt"

Schäfer hat sich nach den Worten von Ministerpräsident Volker Bouffier große Sorgen um die Bewältigung der Corona-Krise gemacht. "Große Sorgen vor allen Dingen darum, ob es gelingen könne, die riesigen Erwartungen in der Bevölkerung, insbesondere der finanziellen Hilfen, zu erfüllen", sagte Hessens sichtlich erschütterter Regierungschef am Sonntag. "Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr. Er war verzweifelt und ging von uns. Das erschüttert uns, das erschüttert mich." Er sprach der Familie in einer Rede am Sonntagmittag in Wiesbaden sein Beileid aus.

Landespolitik zeigt sich fassungslos

Schäfers grüne Kabinetts-Kollegen Priska Hinz und Kai Klose reagierten mit stiller Trauer, indem sie Bilder von Kerzen bei Twitter teilten. CDU-Pressesprechr Bastian Zander schrieb in dem Kurznachrichtendienst, dass man oft zu schnell bei schrecklichen Ereignisen schreibe, man sei erschüttert und fassungslos: "Der Tod von unserem Freund macht mich aber genau das." FDP-Fraktionschef René Rock reagierte bestürzt: "Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörgen." Auch SPD-Landeschefin Nancy Faeser sprach Schäfers Familie ihr Mitgefühl aus. "Ich bin bestürzt und fassungslos über diese schreckliche Nachricht", schrieb Linken-Fraktionschefin Janine Wissler.

Schäfer wurde oft als Bouffier-Nachfolger gehandelt

Der CDU-Politiker war seit 2010 Finanzminister in Hessen. Er hat sich für die Schuldenbremse eingesetzt und den Haushalt nach und nach hin zur Schwarzen Null gestaltet. Am Dienstag noch beschrieb Schäfer im Landtag milliardenschwere Hilfsprogramme des Landes in der Corona-Krise als "Jahrhundertaufgabe".

Thomas Schäfer wurde seit Jahren bereits als möglicher Nachfolger für das Amt des Ministerpräsidenten gehandelt. Schäfer hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

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